Projektziele von Familien stärken (FamS)

Die Familienbildungsstätten in Württemberg verändern zunehmend ihr Profil. Mit steigender Armut auch der Mittelschicht, der Zunahme prekärer Familiensituationen, die auch die Familienbildungsstätten in ihrer Besucherstruktur spüren, sowie der steigenden Zahl von Familien mit wenig sozial-erzieherischen Kompetenzen der Eltern, zwingen Familienbildungsstätten zur Veränderung ihrer Leistungen und Angebotsstruktur.

Das Projekt „Familien stärken“ der Evangelischen Landeskirche in Württemberg hat sich zum Ziel gesetzt, folgende Aspekte zeitgemäßer Familienbildung in ihrem Leistungs- und Angebotsprofil zu entwickeln:

Erster Aspek: Demographie und Bevölkerungsentwicklung

Die demographische Entwicklung in Deutschland erfordert für Institutionen und Träger der Familienbildung, Konzepte und Strategien zu entwickeln, die den Zugang für neue Zielgruppen der Familienbildung ermöglicht und erleichtert. Neben den demographischen Perspektiven hinsichtlich der Altersentwicklung der deutschen Bevölkerung ist vor allem die multikulturelle Bevölkerungsentwicklung eines der wichtigsten Themenfelder, die die institutionalisierte Familienbildung zu berücksichtigen hat. Zahlen multikultureller Entwicklungen sprechen hier ein eindeutige Sprache: bei Familien mit Kinder unter 5 Jahren mit Migrationshintergrund in 2007 lag der Anteil bei 1/3 aller Familien in Deutschland. Entwicklungsberechnungen gehen davon aus, dass sich die Bevölkerung in Deutschland in den kommenden 20 Jahren entsprechend verändern wird.

Zitat: „Unsere nachwachsende Gesellschaft wird in 10, 20 Jahren mehrheitlich einen Migrationshintergrund haben. Wir werden andere Deutsche haben als die, die wir heute haben.“ (Strohmeier 2003)

Zweiter Aspekt: Teilnahmechancen

Benachteiligungen müssen abgebaut und ausgeglichen werden. Hierfür sind die Bildungsangebote der Familienbildung so zu entwickeln, dass auch Eltern aus bildungsfernen Milieus partizipieren können und damit die Familienbildung zur Stärkung der Erziehungskompetenz unterschiedlich - benachteiligter Gruppierungen beiträgt. Inklusionsstrategien zielen auf den Abbau aller Zugangsbarrieren; eine Verbesserung der Teilhabemöglichkeiten aller Gruppen ist anzustreben. Hierbei ist die interkulturelle Öffnung nur ein Teilaspekt.

Dritter Aspekt: Bildungsgerechtigkeit

Ziel und Anliegen von Familienbildung muss die Herstellung von Bildungsgerechtigkeit sein. Unter einem so verstandenen Demokratiepostulat als dritter und letzter Aspekt, muss Familienbildung dazu beitragen, dass die Teilnahmemöglichkeiten an Weiterbildungs-angeboten erhöht werden. Dies ist und wird zukünftig zunehmend ein Thema sein, das die Geldgeber der Familienbildung und die Politik beschäftigen wird. Unabhängig davon, ist Familienbildung mehr und mehr in der Situation, durch unterschiedliche Finanzierungs-quellen ihre Arbeit auch quer zu finanzieren.

Umsetzung dieser Aspekte im Projekt „Familien stärken“?

Eine wesentliche Säule des Projektes ist die Vernetzung der Einrichtungen der Familienbildung vor Ort und die aktive Beteiligung in Netzwerken und Arbeitskreisen. Dort wo noch keine Netzwerke bestehen, sollen diese aufgebaut werden.

Mit der praktischen Umsetzung in den Projektstandorten werden unterschiedliche Kooperationen mit Einrichtungen der Erziehungshilfe, der Beratung und weiterer Partner entwickelt und aufgebaut.

Die zu entwickelten Projekte sind auf Nachhaltigkeit angelegt, d.h., sie werden so konzipiert sein, dass nach Ablauf der Projektphase die Projekte weiter bestehen.

Ein zentraler Aspekt dieses Projektes ist die Zusammenführung von den bisher traditionell nebeneinander bestehenden Systemen der Familienbildung und der Erziehungshilfe.

Die Projekte bzw. Angebote verknüpfen konzeptionelle Ansätze der Lebensweltorientierung mit Familienbildung und schaffen so neue Zugänge. Methoden und Kenntnisse verschiedener Hilfsangebote werden zusammengeführt und kombiniert.

Die Leistungen sind grundsätzlich präventiv ausgerichtet. Die Familienbildungsstätten entwickeln geeignete Beratungs- und Bildungsangebote, die einen niedrigschwelligen Charakter aufweisen und an den Lebensorten der Zielgruppen angeboten werden.

Die Zielgruppen sind Familien, die in ihrem Alltag durch belastende oder von Armut bedrohte Lebensumstände gekennzeichnet sind. Eine Differenzierung der Zielgruppen ist mit den regionalen Gegebenheiten verknüpft und kann hier nur exemplarisch dargestellt werden:

  • Alleinerziehende
  • Junge Familien in besonderen Lebenslagen
  • Frühschwangerschaften
  • Ausländische Familien mit Kleinkindern etc.

Die Projekte dienen der Grundlegung und Übertragbarkeit zur Weiterentwicklung lokaler Hilfssysteme. Es geht hier um eine grundsätzliche Weiterentwicklung der (Hilfs-)Angebote für Familien vor Ort. Diese werden dazu beitragen, dass Kompetenzen unterschiedlicher Disziplinen kombiniert und zusammengeführt werden.